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EVP: Nationalrat sagt Ja zu Ausstiegsprogrammen für Prostituierte

Der Natio­nal­rat will Frauen hel­fen, die aus der Pro­sti­tu­tion aus­stei­gen wol­len. Er hat eine ent­spre­chende EVP-Motion über­wie­sen. Diese for­dert Ausbildungs- und Arbeits­an­ge­bote zur beruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung und sozia­len Reinte­gra­tion, ein koor­di­nie­ren­des Case Manage­ment sowie koope­ra­tive Struk­tu­ren zwi­schen den betei­lig­ten Akteu­ren. Der Bun­des­rat soll hier­für die gesetz­li­chen Grund­la­gen und ein Mass­nah­men­kon­zept vor­le­gen.

89 Pro­zent der Frauen in der Pro­sti­tu­tion wür­den sofort aus­stei­gen, wenn sie die Alter­na­tive dazu hät­ten. In den aller­meis­ten Fäl­len schei­tert die­ser gewollte Aus­stieg jedoch genau daran: An der feh­len­den Alter­na­tive. Die wirt­schaft­li­che Alter­na­tiv­lo­sig­keit hält die Betrof­fe­nen in der Pro­sti­tu­tion fest – oft noch ver­schärft durch einen unsi­che­ren Rechts­sta­tus, geringe Berufs­aus­bil­dung, man­gelnde Sprach­kennt­nisse und einen psy­chisch oft labi­len, trau­ma­ti­sier­ten Zustand. In ihrem Votum vor dem Rat zeigte EVP-Nationalrätin Lilian Stu­der den Hand­lungs­be­darf auf. Sie hatte den Vor­stoss von alt Natio­nal­rä­tin Mari­anne Streiff über­nom­men:

«Men­schen, die aus­stei­gen wol­len, brau­chen eine Job­per­spek­tive. Sie brau­chen eine reale Alter­na­tive zur Pro­sti­tu­tion, eine unab­hän­gige Ein­nah­me­quelle, um ihren Lebens­un­ter­halt selbst­be­stimmt und in Würde zu finan­zie­ren.»
Lilian Stu­der, Natio­nal­rä­tin und Par­tei­prä­si­den­tin EVP Schweiz

Eine beruf­li­che und soziale Neu­ori­en­tie­rung nach jah­re­lan­ger Pro­sti­tu­tion ist kom­plex und braucht inten­sive Beglei­tung. Eine aus­stiegs­wil­lige Per­son steht vor dem finan­zi­el­len Nichts, ist nicht sel­ten ver­schul­det sowie kör­per­lich und see­lisch insta­bil oder trau­ma­ti­siert. Sie braucht eine sichere und bezahl­bare Woh­nung sowie gesund­heit­li­che und oft auch psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Betreu­ung. Ihre beruf­li­che und soziale Neu­ori­en­tie­rung ist beratungs- und zeit­in­ten­siv. Eine alter­na­tive Berufs­aus­bil­dung wäre ideal ins­be­son­dere aber eine nie­der­schwel­lige, oft sprachun­sen­si­ble Arbeits­stelle. Dane­ben muss und will sie – drei­vier­tel sind Migran­tin­nen – die Spra­che erwer­ben. Ein der­art kom­ple­xer Aus­stiegs­pro­zess – ob in der Schweiz oder im Hei­mat­land – muss durch ein erfah­re­nes Case Manage­ment beglei­tet wer­den, das alle not­wen­di­gen Schritte koor­di­niert.

Die Motion for­dert den Bun­des­rat auf, die gesetz­li­chen Grund­la­gen sowie ein Mass­nah­men­kon­zept vor­zu­le­gen, um schweiz­weit bedarfs­ge­rechte Aus­stiegs­an­ge­bote und Aus­stiegs­be­glei­tung bereit zu stel­len.

«Die Men­schen müs­sen auf ihrem oft lan­gen Aus­stiegs­weg kon­ti­nu­ier­lich und ver­trau­ens­voll beglei­tet wer­den, damit ihre beruf­li­che und soziale Reinte­gra­tion gelin­gen kann. Des­halb soll­ten die Pro­gramme län­ger­fris­tig ange­legt sein.»
Lilian Stu­der, Natio­nal­rä­tin und Par­tei­prä­si­den­tin EVP Schweiz

Die Vor­lage geht nun an den Stän­de­rat.

 

Kon­takt:
Lilian Stu­der, Par­tei­prä­si­den­tin EVP Schweiz und Natio­nal­rä­tin: 076 575 24 77
François Bach­mann, Vize­prä­si­dent EVP Schweiz (Roman­die): 079 668 69 46
Roman Rutz, Gene­ral­se­kre­tär EVP Schweiz: 078 683 56 05
Dirk Mei­sel, Lei­ter Kom­mu­ni­ka­tion EVP Schweiz: 079 193 12 70